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Forschung und Entwicklung

Die erste Phase eines Innovationsprozesses besteht häufig aus Forschung und Entwicklung (F&E). Hierbei wird die Wissensbasis geschaffen, die für die Herstellung hochwertiger und hochtechnologischer Produkte - Waren wie Dienstleistungen - erforderlich ist. Dass F&E und die wirtschaftliche Nutzung der Ergebnisse in der gleichen Region stattfinden, ist allerdings nicht immer eine Selbstverständlichkeit, was auch das wirtschaftliche Wachstum einer Region beeinflussen kann (1). Welchen Nutzen eine Region durch die erfolgten Investitionen in F&E ziehen kann, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem der Ergänzung der F&E-Maßnahmen durch andere wirtschaftliche Aktivitäten aus der Wertkette, der Stoßrichtung der F&E-Maßnahmen (Grundforschung, angewandte Forschung oder experimentelle Entwicklung), der Größe des regionalen Nahmarkts sowie der Verfügbarkeit von Kapital. Auch der Zeitfaktor spielt eine wichtige Rolle, da erfolgreiche Innovationsprozesse in vielen Fällen einen Zeithorizont von mehreren Jahrzehnten haben. Ein spezialisierter F&E-Sektor in passender Größe und Qualität ist in der modernen Wissenswirtschaft der erste Schritt zum wirtschaftlichen Erfolg. Gemessen mit diesem Maßstab nimmt die Öresundregion sowohl im nordischen Raum als auch in Europa eine hervorragende Stellung ein (siehe auch Kapitel 5, Wirtschaftsstruktur). Dies ist auch an der Verfügbarkeit von Kapital – nicht zuletzt ausländischem Kapital – zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung zu erkennen. Hinzu kommt, dass das allgemeine Klima für ausländische Investitionen in den nordischen  Ländern und besonders in Dänemark zu den besten der Welt gehört (2).

F&E-Investitionen

Investitionen in Forschung und Entwicklung sind eine zentrale Messlatte für die Fähigkeit und Entschlossenheit von Regionen, ihre Wissensbasis zu erhöhen. Dies ist allerdings nicht unbedingt das Gleiche wie die kommerzielle Herstellung innovativer F&E-Resultate. In der Lissabon-Strategie, deren Ziel es ist, die EU zur weltweit konkurrenzfähigsten Wissenswirtschaftszone zu machen, ist der Umfang der F&E-Investitionen einer von 14 Indikatoren für die Messung von Erfolg. Das Ziel für 2010 ist ein Investitionsniveau von mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, von dem zwei Drittel durch die Wirtschaft finanziert werden sollen.

Hinsichtlich ihrer Gesamtinvestitionen in Forschung und Entwicklung liegen die nordischen Länder mit Ausnahme von Norwegen alle in der weltweiten Führungsgruppe. 2007 nahmen Schweden und Finnland F&E-Investitionen vor, die über die Ziele der Lissabon-Strategie hinausgingen. Dänemark und Island hatten ein niedrigeres, aber im Vergleich zum EU- und OECD-Durchschnitt dennoch bemerkenswertes Niveau. Die F&E-Ausgaben wurden zu zwei Dritteln durch die einheimische Wirtschaft finanziert, was im internationalen Vergleich ein hoher Anteil ist. Diese Situation entspricht im Wesentlichen der in den USA, Deutschland und der Schweiz. Nur in Japan und Luxemburg ist der Finanzierungsanteil der Privatwirtschaft höher. Die restlichen Investitionen stammen hauptsächlich aus den öffentlichen Quellen der betreffenden Länder. In Dänemark und Schweden ist beinahe jede zehnte Forschungs- und Entwicklungskrone eine Investition aus dem Ausland.

F&E-Ausgaben als Anteil am BIP in der OECD, 2007
F&E-Ausgaben als Anteil am BIP in der OECD, 2007
Quelle: OECD
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Wenn man das Engagement der Privatwirtschaft an den F&E-Maßnahmen der betreffenden Länder mit den Gesamtinvestitionen vergleicht, ergibt sich ein klarer Zusammenhang zwischen beiden Faktoren. Das heißt, je mehr F&E die Privatwirtschaft finanziert, desto höher liegt das allgemeine Investitionsniveau des Landes (3). Für die meisten nordischen Regionen ist dieser Zusammenhang ebenso deutlich. Hinsichtlich der F&E- Ausgaben als Anteil am regionalen BIP gehört die Öresundregion zu den führenden Regionen in Europa.

Auch wenn die Öresundregion derzeit nicht als eine funktionell zusammenhängende Region betrachtet werden kann, ist dennoch festzustellen, dass ein bedeutender Teil der gesamten F&E-Investitionen in Dänemark und Schweden sich im Raum um den Öresund konzentriert. Vom Gesamtbetrag der F&E-Investitionen in Dänemark und Schweden fielen im Jahre 2005 32 Prozent auf die Öresundregion. Zudem hat die Region diesen Anteil im Laufe der Zeit erhöht. 1997 entfielen auf die Öresundregion 25 Prozent der F&E-Gesamtinvestitionen in Schweden und Danmark, entsprechend einer Steigerung von sieben Prozent.

Dabei ist durchgehend zu beobachten, dass die meisten F&E-Investitionen in die Großstadtregionen fließen. In Dänemark konzentrieren sich die wirtschaftseigenen F&E-Investitionen weitgehend auf den Bereich Öresund DK und dort var allem auf die Hauptstadtregion. Ungefähr 74 Prozent der F&E-Investitionen der dänischen Wirtschaft fließen nach Öresund DK, davon 71 Prozent in die Hauptstadtregion und 3,1 Prozent in die Region Seeland. In Schweden konzentriert sich das Gros dieser Investitionen auf Stockholm, gefolgt von Västra Götalands Län und die Region Skåne.

F&E-Ausgaben als Anteil am regionalen BIP, führende Regionen in der EU, 2005 (In Euro zu Marktkursen)
F&E-Ausgaben als Anteil am regionalen BIP, führende Regionen in der EU, 2005 (In Euro zu Marktkursen)
Quelle: Eurostat, Dänisches Zentrum für Forschungsanalyse, Danmarks Statistik, SCB. Berechnungen: Region Skåne. Fußnote: Die Öresundregion erscheint nicht in der NUTS-Einteilung von Eurostat, wurde aber ausgehend vom Zahlenmaterial der nationalen Statistikbehörden in Dänemark und Schweden im Modell berechnet.
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Auch in Schweden fließen große Teile der F&E-Investitionen der Wirtschaft in die Hauptstadtregion, allerdings ist die Rolle Stockholms in Schweden nicht so dominierend wie die Kopenhagens in Dänemark. Ungefähr 33 Prozent der F&E-Investitionen der Wirtschaft fließen nach Stockholms Län, gefolgt von 27 Prozent in die Region Västra Götaland und 18 Prozent in die Region Skåne (Zahlen von 2007).

Wenn man die F&E-Ausgaben der Wirtschaft als Anteil am regionalen BIP misst, zeichnet sich allerdings ein anderes Bild. Unter den nordischen Regionen liegt Westschweden (Göteborg) mit 5,40 Prozent am höchsten. Stockholm und das Östliche Mittelschweden liegen auf der Liste niedriger, bei 4,29 und 3,99 Prozent. Die Gesamt-Öresundregion ist auf der Liste mit 3,90 Prozent noch niedriger angesiedelt.

Eine wichtige Erklärung dafür, dass verschiedene deutsche und schwedische Regionen so hoch auf der Liste der F&E-Investitionen angesiedelt sind, ist die Tatsache, dass viele dieser Investitionen in der Automobilindustrie getätigt werden, die zum Beispiel in Braunschweig und Westschweden stark vertreten ist.

Die Struktur der Investitionen ist auf beiden Seiten des Öresunds ungefähr gleich. Hier werden bedeutende und marktorientierte F&E-Investitionen aus der Wirtschaft (drei Viertel) mit bescheideneren Investitionen durch Behörden und Universitäten kombiniert. (In der Region Seeland ist das Bild mit einer größeren Aktivität seitens der Behörden leicht abweichend.) Das gleiche Muster findet man in Stockholm wieder. In Westschweden (Göteborg) und in Etelä-Suomi (Helsinki) sind die Wirtschaft und Behörden stärker in Forschung und Entwicklung engagiert als in der Öresundregion.

Die regionalen F&E-Investitionen in den Ostsee-Nachbargebieten der Öresundregion sind allgemein bescheiden bis schwach. Nur in Sankt Petersburg und Berlin wird intensiver in Forschung und Entwicklung investiert, allerdings auch in Hamburg. In Berlin machen die F&E-Investitionen der Wirtschaft nur die Hälfte der gesamten Investitionen aus, sodass der Beitrag der Behörden mehr als dreimal so groß ist wie im Öresundgebiet. In Warschau sind die Behörden ein fast genauso starker Spieler wie die dänische Wirtschaft in der Hauptstadtregion. Auch Hamburg und Tallinn haben genauso wie Helsinki ein weniger durch die Wirtschaft dominiertes Investmentportfolio und einen größeren öffentlichen Beitrag. Entsprechend sind Forschung und Entwicklung in den osteuropäischen Großstadtregionen im Ostseeraum allgemein weniger marktorientiert als in den nordischen Ländern.

Auf akademischem Gebiet hat die Öresundregion mit zwei Universitäten von Weltrang sowie drei Universitäten in der europäischen Topliga eine starke Position in den nordischen Ländern und gegenüber den direkten Nachbarn im nördlichen Europa. Nur Stockholm ist ebenso gut positioniert (siehe auch Kapitel 3, Ausbildung). Bei Ein internationaler Vergleich der Investitionen in nominellen Beträgen, (siehe oben) zeigt, dass der gleiche Betrag in verschiedenen Ländern und Regionen nicht unbedingt das gleiche Maß an Forschung und Entwicklung finanziert. Dies beruht auf Unterschieden in der Wirtschaftsstruktur, der Zielrichtung der Forschung sowie unterschiedlichen Kostenstrukturen.
Ein weiterer Teil der Erklärung sind die Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Ländern und Regionen, aber auch zwischen Wirtschaftszweigen. Die Kaufkraftunterschiede bei einer Investition bzw. Ausgabe werden normalerweise durch verschiedene Preisindices korrigiert. Im F&E-Bereich gibt es diese Möglichkeit allerdings nicht. Wie viele andere Dienstleistungssparten sind Forschung und Entwicklung personalintensiv. Somit entfällt der Hauptanteil der F&E-Investitionen auf Löhne und Gehälter, die im Fall der Öresundregion grob gerechnet zwei Drittel der Kosten ausmachen (4). Auch wenn es derzeit nicht möglich ist, diesen Sachverhalt näher zu analysieren, kann dennoch davon ausgegangen werden, dass die F&E-Investitionen auf der dänischen Seite des Öresunds eine niedrigere Kaufkraft haben und daher weniger F&E finanzieren als schwedische Investitionen. Dieser Sachverhalt erhält eine noch größere Bedeutung, wenn man den entsprechenden Vergleich zwischen den Regionen in West- und Osteuropa anstellt. Die Unterschiede in der Kaufkraft können die Investitionsmuster für F&E in Europa langfristig in bedeutendem Maß beeinflussen.

 

(1) Diese Tatsache wird durch eine Reihe empirischer Studien belegt, beispielweis von einer Studie aus dem Jahr 2006, die innerhalb von 240 europäischen Regionen (NUTS2-Regionen) die Verbindung zwischen F&E-Intensität in Form von Patentquote einerseits und wirtschaftlicher Entwicklung (gemessen als BIP-Zuwachs pro Einwohner) andererseits verglich. Die Studien stellen fest, dass Braunschweig als Region mit den höchsten F&E-Investitionen gleichzeitig das viertniedrigtste wirtschaftliche Wachstum in einer Region aufweist. Umgekehrt besitzt keine der unter den Top 10 der Wachstumsliga rangierenden Regionen eine über zwei Prozent hinausgehende F&E-Intensität (Hanell, T & Neubauer, J: Geographies of Knowledge Production in Europe. Nordregio WP 2006: 3).

(2) Forbes Capital Hospitality Index 2008. Darunter die nordischen Länder in absteigender Reihenfolge (globaler Rang in Klammern): Dänemark (1), Finnland (3), Schweden (6) und Norwegen (15).

(3) Hanell, Neubauer 2006

(4) In Dänemark und Schweden gibt es innerhalb der Sektoren und Branchen keine Statistik über die F&E-Investitionen nach Kostenart. In Deutschland gehen entsprechende Untersuchungen aber in die F&E-Studien ein. Aus den deutschen Berichten geht hervor, dass in den meisten Branchen ca. zwei Drittel der F&E-Ausgaben für die Finanzierung von Löhnen und Gehältern verwendet werden, vor allem in den direkten Forschungs- und Entwicklungsbranchen. (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: FuE-Datenreport 2007. Tabellen und Daten, S. 38 Tabelle 14).

 

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