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Beschäftigung

Fast zehn Jahre sind seit der Einweihung der Öresundbrücke vergangen. In dieser Zeit hat die Beschäftigung innerhalb der Öresundregion stark zugenommen - trotz Konjunkturschwäche in den Jahren 2002 bis 2004 und des dramatischen Einbruchs zwischen Herbst 2008 und 2009. Allerdings kann aus den Statistiken auf beiden Seiten des Öresunds nur schwer ein komplettes Bild der Arbeitsmarktentwicklung abgeleitet werden, da die aktuelle Version der von Ørestat erstellten, registergestützten Arbeitsmarktstatistik von 2007 stammt. Bei der aktuellen Entwicklung wird daher auch auf Daten der AKU (Arbeitskräfte-Studie) zurückgegriffen.

Arbeitsmarktstatistik – Fakten und Schwachstellen
Die registergestützte Arbeitsmarktstatistik von Ørestat basiert auf der nationalen, registergestützten Arbeitsmarktstatistik (RAS: Danmarks Statistik, DS; RAMS: Statistiska Centralbyrån, SCB). Die in der RAS berücksichtigten Personen sind die im Melderegister geführte dänische Bevölkerung am 1. Januar des betreffenden Jahres. In der RAMS besteht die Bevölkerung aus den zum 31. Dezember in Schweden gemeldeten Personen. Daher wird die Statistik in Dänemark und Schweden mit unterschiedlichen Jahreszahlen bezeichnet. Die neuesten, von Ørestat verwendeten Fassungen sind die RAS 2008 und die RAMS 2007. In der Öresundstatistik wurde RAS an RAMS angepasst, was dazu führt, dass die Zahlen für den dänischen Öresundsteil im Verhältnis zur offiziellen dänischen Statistik ein Jahr später veröffentlicht werden .


In den RAS/RAMS-Statistiken werden die Grenzpendler nicht mitgerechnet, was bedeutet, dass die Beschäftigungszahlen in der registergestützten Arbeitsmarktstatistik mit Fehlern behaftet sind. Die letzten offiziellen Pendlerdaten stammen von 2007, als 17.800 Arbeitnehmer von Öresund SE nach Öresund DK pendelten. Diese Öresundpendler werden nicht mitgerechnet, da SCB die Beschäftigung für Öresund SE ausgehend von der Wohnadresse (Nachtbevölkerung) ermittelt. Ebenso fehlen diese in der dänischen Arbeitsmarktstatistik, da DS die Anzahl der Beschäftigten ausgehend von der Arbeitsadresse (Tagesbevölkerung) berechnet. Ebenso wenig wird in der registergestützten dänischen und schwedischen Arbeitsmarktstatistik der Strom der cirka 600 Berufspendler von Dänemark nach Schweden als Beschäftigte erfasst.


Da die aktuelle konjunkturelle Situation – ein kräftiger Konjunktureinbruch ab Herbst 2008 sowie eine gewisse Wiederbelebung in den letzten Monaten – in der registergestützten Statistik nicht berücksichtigt wurde, wird die Situationsbeschreibung um aktuelle Informationen aus der dänischen und schwedischen Arbeitskräftestudie (AKU) ergänzt. Die AKU ist eine Umfrage, die daher nur begrenzt in regionale Ebenen aufgegliedert werden kann. Die Ørestat-Datenbank enthält harmonisierte AKU-Daten.


Eine weitere gravierende Schwachstelle besteht darin, dass die Arbeitslosenstatistiken in den regionalen und nationalen Berichten nicht miteineinander verglichen werden können. Diese Situation wird dadurch erschwert, dass die schwedische AKU als offizielle Arbeitsmarktstatistik gilt, während dies die dänische nicht zutrifft. Ebenso wenig kann die registergestützte Arbeitslosigkeit in Dänemark mit dem entsprechenden Register in Europa verglichen werden, da die dänische Definition auf einem Durchschnittswert der registrierten Arbeitslosigkeit in Stunden basiert. Stattdessen wird in der Ørestat-Datenbank eine neue – harmonisierte – Arbeitslosenstatistik verwendet (nächste Seite).

Im Jahre 2007 betrug die Zahl der Beschäftigten gemäß der registergestützten Arbeitsmarktstatistik fast 1,83 Millionen Personen aus der Region; hinzu kommen 18.400 Öresund-Berufspendler, die in der registergestützten Arbeitsmarkstatistik noch nicht mitgerechnet sind. Dies sind 17.800 Pendler von Öresund SE nach Öresund DK und 600 in Gegenrichtung. 70 Prozent der Beschäftigten der Region – ent-sprechend 1,29 Millionen Personen – wohnten auf der dänischen Seite, und 30 Prozent oder 540.000 auf der schwedischen Seite der Öresundregion.

Beschäftigungsentwicklung (RAS/RAMS), Index (2002=100)
Beschäftigungsentwicklung (RAS/RAMS), Index (2002=100)
Quelle: Ørestat
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Zwischen 2002 und 2007 stieg die Zahl der Beschäftigten um 91.800 Personen bzw. 4,1 Prozent an. In diesem Zeitraum wurde der Arbeitsmarkt durch den Konjunkturrückgang zu Beginn der Fünfjahresperiode beeinträchtigt. Die negativen Auswirkungen erwiesen sich bei einem Vergleich mit den übrigen Landesteilen in Dänemark und Schweden allerdings als weniger tiefgreifend. Die nachfolgende Konjunkturerholung zwischen 2004 und 2007 hat zu einem kräftigen Anstieg der Beschäftigung, zu hoher Kapazitätsausnutzung und einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit geführt.

Ebenso wie bei der Bevölkerungsentwicklung kann man auch für die Entwicklung der Beschäftigung sagen, dass der größte Zuwachs auf der schwedischen Seite stattgefunden hat. Hier hat die Beschäftigung um 5,2 Prozent oder 38.100 Personen zugenommen. Im dänischen Teil der Region ist ein Anstieg um 3,6 Prozent oder 53.700 Personen zu verzeichnen. Die Arbeitsmarkt-Studie (AKU) weist eine deutliche Trendwende aus. Bis einschließlich zum dritten Quartal 2008 war für die gesamte Öresundregion ein deutlicher Beschäftigungsanstieg zu verzeichnen. Später erlebte die Region einen kräftigen Konjunkturrückgang (siehe Diagramm auf Seite 30). Die letzten – nationalen und nicht harmonisierten – AKU-Zahlen für das vierte Quartal deuten aber darauf hin, dass die Beschäftigungszahlen ihre Tiefststände
inzwischen überwunden haben.

Die kräftige Nachfrage nach Arbeitskräften hat dazu geführt, dass Jugendliche und marginalisierte Gruppen unter den Arbeitssuchenden (Migranten, Personen mit funktionellen Behinderungen) ihre Chancen verbessert haben, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Außerdem bietet sich älteren Arbeitssuchenden ein größerer Anreiz, auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben. Die Beschäftigtenzahl in der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren weist ein besonders starkes Wachstum auf – um 39.400 Personen oder 46,1 Prozent im Zeitraum von 2002 bis 2007. Die Beschäftigtenzahl in den Altersgruppen von 16 bis 19 und von 20 bis 24 Jahren hat im gleichen Zeitraum um 28.600 Personen oder 13,9 Prozent zugenommen, während die übrigen Altersgruppen abhängig von der zugrunde liegenden demografischen Entwicklung unterschiedliche Tendenzen aufweisen (siehe Diagramm unten).

Beschäftigungsfrequenz

Ein wichtiger gesellschaftsökonomischer Indikator ist die Beschäftigungsfrequenz eines Landes – also der Anteil der Bevölkerung, der einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Die registergestützte Arbeitsmarktstatistik für das Ausgangsjahr 2002 zeigt, dass in der gesamten Öresundregion 72,7 Prozent der Bevölkerung im Alter von 16 bis 64 Jahren erwerbstätig waren. Fünf Jahre später, nach einem kräftigen Konjunkturaufschwung zwischen 2003 und 2007, lag dieser Quotient bei 74,9 Prozent - ohne Öresundpendler.

Beschäftigung nach Alter. Änderung 2002 - 2007
Beschäftigung nach Alter. Änderung 2002 - 2007
Quelle: Ørestat
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Allerdings zeigt die Statistik einen deutlichen Unterschied zwischen dem dänischen und schwedischen Teil der Öresundregion. Im Jahr 2007 gingen auf dem Arbeitsmarkt in Öresund DK  77,7 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren einer Erwerbstätigkeit nach, verglichen mit 68,9 Prozent in Öresund SE. Vor allem in den jüngeren Altersgruppen ist die Beschäftigungsfrequenz im dänischen Teil verglichen mit dem schwedischen Teil der Öresundregion wesentlich höher (siehe Diagramm auf der nächsten Seite). So unterscheidet sich die Beschäftigungsfrequenz in der Altersgruppe von 16 bis 19 Jahren zwischen Öresund DK und Öresund SE um mehr als 53 Prozent (69,9 Prozent in Öresund DK bzw. 16,9 Prozent in Öresund SE), während der Unterschied der Beschäftigungsfrequenz in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren 20,7 Prozent (76,3 Prozent in Öresund DK bzw. 55,6 Prozent in Öresund SE) betrug. Einer der Gründe hierfür ist, dass das dänische Lehrlingssystem auf betrieblichen Ausbildungsgängen basiert und Auszubildende in der Statistik somit als Beschäftigte geführt werden.

Die Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren ist hingegen in Öresund SE in höherem Maße auf dem Arbeitsmarkt aktiv als in Öresund DK (62,9 Prozent bzw. 44,0 Prozent), was mit dem dänischen Vorruhestandssystem erklärt werden kann, das Arbeitnehmern die Möglichkeit gibt, sich ab dem vollendeten 60. Lebensjahr vom Arbeitsmarkt zurückzuziehen.

Berufspendlerverkehr über den Öresund - oder was bedeutet ein Fehler von 18.400 in der Beschäfti-gungsstatistik?

Wird die registergestützte Arbeitsmarktstatistik um die Grenzpendler über den Öresund ergänzt, betrug die Zahl der erwerbstätigen Personen in der Gesamt-Öresundregion 2007 1,85 Millionen Beschäftigte (Nachtbevölkerung). Öresund SE hatte 562.000 Erwerbstätige, davon 17.800 Arbeitnehmer bzw. 3,2 Prozent, die Berufspendler von Öresund SE nach Öresund DK waren. Malmö verzeichnete mit 10.700 Öresundpendlern oder 8,4 Prozent sämtlicher erwerbstätiger Personen den absolut größten Pendlerstrom nach Dänemark. Diese Pendlerbewegung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Nach Einschätzung der dänischen Arbeitsämter hat der Berufspendlerstrom in Ost-West-Richtung die 20.000er Grenze deutlich überschritten, und dies trotz fallender Nachfrage im letzten Jahr. In Gegenrichtung liegt die Zahl der Berufspendler relativ konstant bei 600.

Das Problem besteht darin, dass Personen, die an einen dänischen Arbeitsplatz pendeln, nicht in der Statistik der erwerbstätigen Personen auftauchen, wodurch in Malmö und Öresund SE eine wachsende Dunkelziffer entsteht. Öresund SE hat eine relativ niedrige Beschäftigungsfrequenz. In der Altersgruppe von 16 bis 64 Jahren gingen nach der offiziellen Statistik 68,9 Prozent der Bevölkerung einer Beschäfti-gung nach. Hierbei wird der Pendelverkehr über den Öresund jedoch nicht mitgerechnet, wodurch die Beschäftigungsfrequenz um 2,3 Prozent gemindert wird. In Malmö sind nur 60,9 Prozent der Bevölkerung erwerbstätig. Wenn in dieser Zahl auch die Öresundpendler  mitgerechnet werden, steigt die Beschäfti-gungsfrequenz um 5,7 auf 66,6 Prozent.
Ähnlich verhält es sich auch auf der dänischen Seite der Öresundregion: Vor allem in der Metropolregion Kopenhagen wird die Zahl der Beschäftigten mit Arbeitsplatz in der Region (Tagesbevölkerung) zu niedrig eingeschätzt, was unter anderem zu irreführenden Prognosen für die Arbeitskräfteversorgung der Regionen führt.

Beschäftigungsfrequenz nach Alter - 2007
Beschäftigungsfrequenz nach Alter - 2007
Quelle: Ørestat
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