Zehn Jahre mit fester Verkehrsanbindung
Am 1. Juli 2010 waren es zehn Jahre seit Eröffnung der Öresundbrücke. Die große Verbesserung bei der Erreichbarkeit über den südlichen Öresund hat einen Integrationsprozess auf beiden Seiten des Sundes und vor allem zwischen den beiden größten Städten der Region - Kopenhagen und Malmö - in Gang gesetzt. In allen Bereichen hat der Verkehr seit der Eröffnung der Brücke zugenommen, insbesondere aber ist der Grenzgängerverkehr enorm gewachsen.
Fähren im Norden – Brücke im Süden
In den 1990er Jahren wurde der Öresund jährlich von zwischen zwei und drei Millionen Fahrzeugen überquert. Im Jahre 2010 war die Anzahl der Fahrzeuge auf 9,2 Millionen gestiegen; insgesamt überquerten 34,2 Millionen Reisende den Öresund mit Auto, Bus, Zug oder Fähre.
Nach einem leichten Rückgang des Verkehrs Anfang der 1990er Jahre stieg die Anzahl der Fahrzeuge über den Öresund von 1995 bis 1999 mit durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr. Neue Routen, zusätzliche Verbindungen, niedrigere Preise sowie ein wirtschaftliches Wachstum in Dänemark und Schweden waren die Ursachen für das wachsende Verkehrsaufkommen. Die Eröffnung der Öresundbrücke führte zu einem weiteren Verkehrsanstieg um 43 Prozent, dabei stieg der Gesamtverkehr über den Öresund im Zeitraum 2001-2007 jährlich durchschnittlich um zehn Prozent.
Ein deutlicher Einschnitt stellte das Jahr 2008 da, in dem der Verkehr über den Öresund um drei Prozent stieg - das heißt eine Steigerung von 5,1 Prozent auf der Öresundbrücke und ein Rückgang um 2,6 Prozent beim Fährverkehr zwischen Helsingborg und Helsingör. 2009 hielt die Tendenz an, in diesem Jahr verzeichnete der Verkehr über den Öresund einen Rückgang um 1,2 Prozent. Bei der Öresundbrücke wurde dabei ein leichter Anstieg von 0,5 Prozent verzeichnet, während es beim Fährverkehr einen Rückgang von 6 Prozent gab. Das schwache Wachstum beider Jahre zeigt deutlich die Rezession, von der sowohl Dänemark als auch Schweden infolge der Finanzkrise betroffen waren. Der Verkehr insgesamt über den Öresund erlebte zum ersten Mal einen kleinen Rückgang 2010, als er um 1,5 Prozent sank. Davon verzeichnete die Öresundbrücke einen Rückgang um 0,4 Prozent, während der Fährverkehr um 4,9 Prozent zurückging.
Der Personenkraftverkehr steht mit 92 Prozent für den allergrößten Anteil des Gesamtverkehrs über den Öresund, der Lastwagenverkehr liegt bei sieben Prozent und der Busverkehr bei einem Prozent. 76 Prozent allen Straßenverkehrs über den Öresund erfolgen über die Öresundbrücke. 79 Prozent des Personenkraftverkehrs passieren den Öresund über die Öresundbrücke, während die Fähren zwischen Helsingborg und Helsingör mehr als die Hälfte, 52 Prozent, des Güterverkehrs transportieren. 75 Prozent aller Personenreisen über den Öresund erfolgen über die Öresundbrücke entweder mit dem Auto oder mit dem Zug.
- Verkehr über den Öresund, 1990 - 2010
Quelle: Shippax und Øresundbron
- Personenverkehr über den Öresund, 2001 - 2010
Quelle: Shippax und Øresundbron
Der Verkehr über die Öresundbrücke
Seit Eröffnung im Jahr 2000 haben 208 Millionen Menschen die Öresundbrücke entweder mit dem Zug oder mit dem Auto passiert – 126 Millionen Personen per PKW und die übrigen 82 Millionen mit dem Zug. Dies entspricht der Zahl der Gesamtbevölkerung Dänemarks und Schwedens, die in den ersten zehn Jahren vierzehn Mal über die Öresundbrücke reisen würde. Die 126 Millionen PKW-Reisenden verteilen sich auf 54,5 Millionen Fahrzeuge im Zeitraum 2000-2010.
Der Zugverkehr
Der Zugverkehr hat eine fantastische Entwicklung durchlaufen. Von 2001 bis 2009 stieg der schienengebundene Verkehr von 4,9 Millionen auf 11,1 Millionen Fahrgäste an – eine Steigerung von 125 Prozent. 2010 ist der schienengebundene Verkehr etwas zurückgegangen, auf 10,9 Millionen Passagiere, was aber noch immer einer Steigerung von 122 Prozent seit 2001 entspricht.
2010 führen 55.800 Personenzüge und 9.700 Güterzüge über die Brücke.
Der Öresundzug fungiert in erster Linie als Transportmittel innerhalb der Region, mit 90 Prozent regionalen Personenreisen. Vier von fünf Zugfahrgästen sind in Schweden wohnhaft, einer von fünf in Dänemark. Ein sehr kleiner Anteil der Passagiere sind Ausländer.
Der Grenzgängerverkehr wirkt sich auch bei der Bahn aus: 60 Prozent der Reisenden auf den Öresundzügen sind Arbeits- oder Studienpendler. Von den restlichen 40 Prozent sind die Mehrzahl Freizeitreisende, während ein kleiner Anteil aus Geschäfts- und Ferienreisenden besteht.
Der Personenverkehr auf den Schienen wird vor allem von DSBFirst betrieben, die den Betrieb der Öresundzüge im Jahr 2009 übernahmen. Der Güterverkehr auf den Schienen über die Öresundbrücke ist auf mehrere Gesellschaften aufgeteilt. Auf der dänischen Seite führt das Zugnetz mit Halt an Kopenhagens Flugplatz Kastrup weiter über den Hovedbanegården (Kopenhagens Hauptbahnhof ) und Nørreport nach Helsingör. Auf der schwedischen Seite verzweigt sich das Schienennetz hinter Malmö nach Göteborg, Kalmar und Karlskrona. Der Citytunnel durch die zentralen Bereiche Malmös wurde im Dezember 2010 eröffnet und hat die Fahrtzeit zwischen Kopenhagens Hauptbahnhof und Malmö Hauptbahnhof um 5 Minuten verkürzt. Der Citytunnel bindet außerdem zwei neue Bahnhöfe in Malmö – Triangeln und Hyllie – an.
Der Personenkraftverkehr
Bei Eröffnung der Öresundbrücke waren die Erwartungen hinsichtlich des Personenkraftverkehrs sehr hoch. Vielleicht sogar etwas zu hoch, als dass sie sich tatsächlich erfüllen könnten. Nach einem warmen Sommermonat, in dem viele über die Brücke fuhren, nur um sie einmal zu passieren, ging der Verkehr im Jahr 2000 den ganzen Herbst zurück, bis er seinen Tiefpunkt im Januar 2001 mit durchschnittlich 4.700 Fahrzeugen am Tag erreichte.
Das Bild heute sieht ganz anders aus. So viel Verkehr, wie er an einem kalten Tag im Januar 2001 die Brücke überquerte, hat man heute im Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr. 2010 passierten die Brücke täglich im Durchschnitt 19.400 Fahrzeuge. Das sind 140 Prozent mehr als 2001, dem ersten vollen Jahr, in dem die Öresundbrücke in Betrieb war. Im Zeitraum zwischen 2001 und 2007 nahm der Verkehr zwischen 10 und 17 Prozent zu. Im zweiten Halbjahr 2008 wurde der Trend des stetigen Verkehrszuwachses infolge der Rezession, von der auch Dänemark und Schweden im Zuge der Finanzkrise betroffen waren, unterbrochen. Zum ersten Mal musste beim Verkehrsaufkommen ein kleiner Rückgang im Jahr 2010 verzeichnet werden. Alle Verkehrsarten haben in den ersten zehn Jahren zugenommen, besonders bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung im Pendelverkehr. Der Grenzgängerverkehr macht heute 42 Prozent des gesamten Personenkraftverkehrs aus, im Vergleich dazu waren es 5 Prozent im Jahr 2001. Dieser Anstieg lässt sich durch zwei Faktoren erklären. Die enormen Unterschiede bei den Wohnkosten zwischen der dänischen und schwedischen Seite der Region haben viele Dänen dazu veranlasst, nach Schonen zu ziehen. Der zweite Faktor ist die Hochkonjunktur in der dänischen Wirtschaft bis 2007, die zu einem Mangel an Arbeitskräften auf der dänischen Seite führte – ein Problem, das unter anderem dadurch gelöst wurde, dass viele Schweden eine Arbeit im Großraum Kopenhagen erhielten und damit zu Grenzgängern wurden. Diese schwedischen Arbeitskräfte sind weitgehend auf dem dänischen Arbeitsmarkt verblieben und sind heute ein natürlicher Teil an nahezu allen Arbeitsplätzen im dänischen Hauptstadtgebiet. Da Schweden heute eine außerordentlich starke Wirtschaft hat, könnte es jedoch sein, dass wir in Zukunft eine Veränderung in diesem Trend sehen werden – einerseits, weil viele der Dänen, die in Schweden wohnen, zurück nach Dänemark ziehen, weil die dänische Krone im Verhältnis zur schwedischen nicht länger besonders stark ist, andererseits, weil einige Branchen in Schweden nun begonnen haben, Arbeitskräfte in Dänemark zu suchen.
Der regionale Firmenverkehr entspricht 14 Prozent des Personenkraftverkehrs über die Öresundbrücke. Die Wirtschaft hat begonnen, das Potenzial der Öresundregion auszunutzen, indem sie Büros und Niederlassungen auf beiden Seiten des Öresund ansiedeln. Auch der Handel über den Öresund steigt.
Der Ferien- und Freizeitverkehr steht für die restlichen 44 Prozent des Personenkraftverkehrs über den Öresund. Im Zuge der Finanzkrise sollte ein anderes Phänomen den Verkehr über den Öresund beeinflussen: Im Gegensatz zur frei konvertierbaren schwedischen Krone ist die dänische Krone fest an den Euro gebunden, was dazu führte, dass der Druck, dem kleine Währungen bei einer Finanzkrise ausgesetzt sind, die schwedische Krone entwertete. Dies hat sich auf den Öresundverkehr dergestalt ausgewirkt, dass viele Dänen auf die andere Seite des Öresund zum Shopping fuhren. Besonders der Einzelhandel in Malmö profitierte 2009 und teilweise auch 2010 von den dänischen Einkäufern. Wie bereits erwähnt, ist die Lage wieder dabei sich zu ändern, mit einer stabilisierten schwedischen Krone, bei der es sich für die Dänen nicht länger gleich günstig ist, in Schweden einzukaufen. Dies ist unter anderem am sinkende Personenverkehr über den Öresund zu merken, bei dem 2010 die Personenreisen auf Fähren um 10,7 Prozent zurückgingen und der Personenverkehr über die Brücke um 1,9 Prozent.
Die Kapazität der Öresundbrücke
Die Autobahn über die Öresundbrücke hat eine Kapazität von ca. 4000 Fahrzeugen pro Stunde und Richtung. Es ist insbesondere die Kapazität des Tunnels, die den Verkehr über die Brücke begrenzen wird. Bevor jedoch die Verkehrsdichte bei der Brückenverbindung selbst kritisch wird, sind Kapazitätsprobleme bei den Zufahrtswegen zu erwarten.
Der Schienenverkehr über die Öresundbrücke stellt sich aus hochfrequentem Passagierverkehr und internationalem Güterverkehr, der über den ganzen Tag gleichmäßig verteilt ist, sowie sporadischen Personen- und Güterzügen zusammen. Vor allem aufgrund der verschiedenen Verkehrsformen ist der nach Fahrplan laufende Verkehr während des Berufsverkehrs auf ca. zehn Züge in der Stunde in jede Richtung begrenzt.
Innerhalb der nächsten Jahre wird im Berufsverkehr zwischen Malmö und Kopenhagen ein Fünfminutentakt bei den Zügen erforderlich sein, um den steigenden Zahlen bei den Grenzgängern gerecht zu werden. Bei einer optimalen Verkehrsplanung wird es auf der Brücke selbst jedoch zu keinen Kapazitätsproblemen führen. Dagegen wird es verstärkt zu Kapazitätsengpässen an Kopenhagens Flughafen Kastrup, auf der südlichen Haupteisenbahntrasse in Schonen sowie auf Eisenbahnstrecken im Zentrum Kopenhagens kommen.
In einer Prognose vom Öresundsbro Konsortiet wird die zu erwartende Verkehrsentwicklung auf der Öresundbrücke nach unten justiert und damit die Kapazität für die Autobahn erst im Jahr 2035 voll ausgeschöpft sein. Eine neue Prognose für die Verkehrsentwicklung über die Öresundbrücke zeigt außerdem, dass im Jahr 2030 der Verkehr 35.000 Fahrzeuge und 49.000 Zugfahrgäste erreicht haben wird. Einer frühere Prognose zufolge, die im Januar 2008 präsentiert wurde, wurden dieselben Verkehrszahlen bereits 2015 für den Personenkraftverkehr und 2022 für den Schienenverkehr erreicht. Diese Prognose basierte jedoch auf den Zahlen von 2007, dem Jahr, in dem die Hochkonjunktur ihren Höhepunkt erreicht hatte.