Ausbildung
In einer Wissensgesellschaft kommt dem Ausbildungsstand eine hohe Bedeutung zu. Laut OECD zählen die menschlichen Ressourcen zu den wichtigsten Wachstumsquellen. Ebenfalls weisen Untersuchungen darauf hin, dass die Weiterqualifizierung einer Bevölkerung um ein zusätzliches Ausbildungsjahr auf längere Sicht zu einer Steigerung des BIP von fünf Prozent führt. Für die Öresundregion und die hier ansässigen Unternehmen ist das Angebot qualifizierter und anpassungsfähiger Arbeitskräfte auf allen Ebenen von entscheidender Bedeutung um ihre Konkurrenzfähigkeit und die Position als eines der führenden Ausbildungs- und Wissenszentren Europas erhalten und ausbauen zu können.
Für den Einzelnen trägt Ausbildung dazu bei, durch die Möglichkeit des Lernens und der Entfaltung eigener Fähigkeiten eine hohe Lebensqualität zu gewinnen. Alle Menschen haben das Bedürfnis nach guten Ausbildungsmöglichkeiten, die Persönlichkeitsentwicklung, Beschäftigungsmöglichkeiten und ganz allgemein eine aktive Teilnahme am Gesellschaftsleben ermöglichen. Dabei ist Ausbildung nicht nur ein individuelles Gut – sie ist eine Notwendigkeit. Auf dem modernen Arbeitsmarkt werden ständig höhere Anforderungen gestellt. Die Gefahr, den Anschluss und Kontakt zum Arbeitsmarkt zu verlieren, ist für Personen mit kurzer oder fehlender Ausbildung eindeutig am größten.
Ausgehend von dem Anteil Hochqualifizierter wird im Folgenden das Ausbildungsniveau in der Metropolregion Kopenhagen mit dem einer Reihe anderer Großstadtregionen verglichen. Anschließend werden die regionalen Unterschiede in der Öresundregion sowie die Entwicklung des Ausbildungsniveaus aufgezeigt. Schließlich wird auf die Zukunftprognosen für das Ausbildungsniveau sowie den erwarteten Arbeitskräftebedarf eingegangen.
Internationales Niveau:
Es ist schwer, das Ausbildungsniveau verschiedener Länder zu vergleichen. Dies liegt daran, dass die Bildungssysteme von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Zudem ist es schwierig, vergleichbare statistische Grundlagen zu finden, bei denen dieser Umstand berücksichtigt wurde (s. Anmerkung zur Statistik am Ende dieses Abschnitts). Infolge einer OECD-Analyse zur internationalen Konkurrenzfähigkeit der Metropolregion Kopenhagen gehört die Versorgung mit qualifizierten Arbeitskräften zu einer der großen Herausforderungen für das Wachstum in Öresund DK (1).
Trotz des derzeitigen Anstiegs der Arbeitslosigkeit wird der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften eine der größten Herausforderungen für den zukünftigen Wohlstand in Öresund DK darstellen. Die OECD verweist auf mehrere Ursachen für die Schwierigkeiten, die sich in Bezug auf qualifizierte Arbeitskräfte in der Region ergeben. Zum Ersten gelingt es Öresund DK nur schwer, qualifizierte ausländische Arbeitskräfte anzuziehen und festzuhalten. Zum Zweiten brauchen Studierende zu lange, um ihre Ausbildung abzuschließen. Schließlich werden die Kompetenzen von Einwanderern nicht in ausreichendem Maße genutzt. Ingesamt führt dies dazu, dass es in Kopenhagen weniger Hochqualifizierte gibt als in vielen anderen Großstädten. Stockholm und Helsinki besitzen somit einen wesentlich größeren Anteil hochqualifizierter Einwohner.
Dabei ist zu betonen, dass der Arbeitskräftemangel sich nicht nur auf Hochqualifizierte beschränkt. In den kommenden Jahren wird somit auch bei den kurzen und mittellangen Ausbildungen mit einem immer größeren Arbeitskräftemangel gerechnet (siehe Zukunftsausblick im vorletzten Abschnitt).
Regionaler Durchschnitt
Jeder dritte Einwohner der Öresundregion zwischen 25 und 64 Jahren besitzt eine Hochschulausbildung – dies liegt über dem jeweiligen nationalen Durchschnitt in Schweden und Dänemark. Intern weist die Öresundregion aber große Unterschiede auf. So besitzt die Hauptstadtregion den größten Anteil von Bürgern mit Hochschulausbildung, gefolgt von der Region Skåne. Hingegen hat die Region Seeland den niedrigsten Bevölkerungsanteil mit Hochschulausbildung. Die Region Skåne besitzt den höchsten Personenanteil mit Abitur als höchstem Ausbildungsniveau, während die Region Seeland den größten Anteil von Volksschulabgängern hat. Eine wesentliche Ursache für diesen Unterschied ist die demografische Struktur mit einer jüngeren Bevölkerung, die noch keine längere Ausbildung absolviert hat.
Die großen internen Unterschiede spiegeln sich auch auf kommunaler Ebene wider. In vielen Gemeinden verfügt die Hälfte der Bevölkerung (25 - 64 Jahre) über eine Hochschulausbildung. Dies gilt z. B. für Frederiksberg, Gentofte, Lyngby-Taarbæk, Rudersdal, Lund und Lomma. In anderen Gemeinden wie z. B. Ishøj, Tårnby, Lolland, Odsherred, Östra Göinge, Örkelljunga, Bjuv, Tommelilla, Bromölla, Osby, Perstorp, Klippan und Årstorp haben weniger als 20 Prozent der Bevölkerung eine Hochschulausbildung. Die Region Skåne besitzt den größten Anteil Einwohner, die im Alter von 25 bis 64 jahren nur über eineVolksschulausbildung verfügen (17,6 Prozent), während der Rest sich über die Volksschule hinaus qualifiziert hat. Dieser Umstand hängt in hohem Maße mit dem schwedischen Ausbildungssystem zusammen, in dem ein Großteil der Schüler nach der Volksschule mit dem Gymnasium fortsetzt, sodass durch dieses Ausbildungssystem die formelle Kompetenz der Jugendlichen gefördert wird. Dies ist wahrscheinlich eine der Ursachen dafür, dass man in Öresund SE nicht mehr weit von Schwedens Ziel, 95 Prozent eines Jahrgangs eine Berufsausbildung oder das Gymnasium absolvieren zu lassen, entfernt ist. 2007 hatten 84,3 Prozent der 25- bis 29-Jährigen eine Berufsausbildung oder eine Hochschulausbildung absolviert. In der Hauptstadtregion und in der Region Seeland lagen die entsprechenden Werte bei 74,3 bzw. 70,9 Prozent.
Strategien und Herausforderungen auf EU-Ebene
Mit ihrer Lissabon-Strategie hat sich die EU zum Ziel gesetzt, das Ausbildungsniveau der Bevölkerung zu erhöhen. In Schweden wie in Dänemark lautet das Ziel, dass die Hälfte der Bürger eine Hochschulausbildung haben soll. Öresund SE liegt bezüglich des Personenanteils, der im Alter von 26 Jahren eine Hochschulausbildung begonnen oder abgeschlossen hat, im Landesdurchschnitt. In Dänemark wurde im Rahmen der Tätigkeit des Globalisierungsausschusses2 das Ziel formuliert, dass sämtliche jungen Menschen eine Ausbildung (Ungdomsuddannelse) in Form einer gymnasialen oder berufsfachlichen QualifikationDieser Wert wird von der Hauptstadtregion (48 Prozent) übertroffen, in der Region Seeland (40 Prozent) jedoch nicht erreicht. Dänemarks IT-Center für Ausbildung und Forschung (UNI-C) hat ein Profilmodell entwickelt, das eine Aussage über das zu erwartende Ausbildungsverhalten eines Schuljahrgangs zulässt. Nach diesem Modell stehen sowohl die Region Seeland als auch die Hauptstadtregion vor der Herausforderung, dass voraussichtlich nur 82 bzw. 83 Prozent eine Ausbildung anstreben werden. Dies liegt unter dem nationalen Durchschnitt von 84 Prozent. Im Gegensatz hierzu steht zu erwarten, dass im Landesdurchschnitt 44,6 Prozent der Schüler eine Hochschulausbildung abschließen werden. Dieser Wert wird von der Hauptstadtregion (48 Prozent) übertroffen, in der Region Seeland (40 Prozent) jedoch nicht erreicht. Auch in Schweden gibt es eine politische Debatte darüber, wie man sicherstellen kann, dass mehr junge Menschen die Volksschule und das Gymnasium mit einem anerkannten Abschluss in den Grundfächern (Schwedisch, Englisch und Mathematik) beenden.





